Lukas Buchli - Professional Mountainbiker

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Sep 25 Gedanken

Einsiedeln steht vor der Tür. Mein letztes Rennen in der Schweiz.

Im Rennzyklus zu leben ist etwas ganz Spezielles. Man lebt von Rennen zu Rennen. Nach dem Wettkampf ist man ziemlich erledigt, alles schmerzt und nur wer seinen Job gut und seriös macht, kann nach ein paar Tagen wieder Trainingsreize setzten. Diese muss man dann genug früh wieder absetzten, damit der Körper am Renntag auch erholt ist und die Leistung abgerufen werden kann. So vergehen Wochen, so verstreicht die Zeit. Immer die Balance suchend. Wieviel Erholung ist nötig, wieviel Training noch möglich. Dazu kommt die Reiserei vor und nach den Rennen, die ganze Materialschlacht, die Ernährung, die Massagen, die Wäsche, die Pageberichte... Zudem gilt es, den Rennverlauf zu verarbeiten, abzuhacken, nach vorne zu schauen. Egal, ob man seine Ziele erreichen konnte oder nicht. Kommt noch ein Etappenrennen dazwischen, dann spielt eh alles verrückt.
Stunden, Minuten und Sekunden kenne ich nur während des Rennens. Ansonsten richte ich mich nach Erholungsbarometer und Rennkalender. Jahreszeiten vergehen, ohne sie richtig wahrzunehmen, Ereignisse in der Welt passieren, ohne dass Sie bei mir ankommen. Im Herbst dann, wenn alles vorbei ist, braucht mein Körper Wochen, um sich zu erholen und die Psyche versucht Halt zu finden in Familie und sozialem Umfeld.

Dieses Leben ist durchaus spannend. Es ist Leben das pulsiert. Mein Bewegungsradius wurde gross. Schnell dahin fliegen, schnell dorthin reisen. In der halben Welt konnte ich spannende Menschen kennenlernen. Ich katapultierte mich in fremde Regionen mit fremde Sprachen und Kulturen. Wenn irgendwie möglich, versuchte ich mir Zeit zu nehmen, ein bisschen Etwas davon wahr zu nehmen, zu spüren… und doch war ich überall und nirgends. Das ist das Leben eines Rennfahrers.
Es war spannend, aber jetzt zieht es mich wieder zu den kleineren Dingen im Leben hin. Zu den Dingen, die direkt um mich herum passieren. In unserem Garten, in meinem sozialen Umfeld. Vor Jahren, als ich noch nicht all meine Kreativität in den Bikesport steckte, da schrieb ich manchmal Lied- oder Rap Texte. Einmal schrieb ich: „…Liaber gahn i ins chliina fiina iina, um z begrifa wo d Sunna tuat in mi iina schiina…“ Das will ich in Zukunft wieder bewusster machen. Dort sein wo die Seele ist und ihr nicht immer zwei Schritte vorauseilen.

Am Sonntag fahre ich mein letztes Rennen in der Schweiz. Es ist mein Abschiedsrennen. Ich habe viele Menschen eingeladen, nochmals dabei zu sein. Ich freue mich auf all die Menschen, welche kommen werden und die alle etwas dazu beigetragen haben, damit ich diesen verrückten Weg gehen durfte.
Sportlich muss ich nochmals alles geben, denn ich will in Einsiedeln als Gesamtsieger der Swiss Bike Marathon Serie einfahren. Noch einmal bin ich gefordert, alles aus mir heraus zu holen. Ich werde trotzdem versuchen, das Ganze irgendwie zu geniessen.
Mein Körper befindet sich in unglaublicher Form, doch meine Seele kommt schon seit Wochen nicht mehr nach. Ich werde in Einsiedeln bereit und präsent sein, doch begreifen werde ich erst viel später.

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