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Sep 21 Swiss Epic: Die letzten beiden Etappen

Gesamtsieg im Wallis. Was für ein Erfolg. Was für eine Woche. Was für eine Leiderei! Hier die Entscheidung im Kampf um gelb aus meiner Sicht.

Die Zweitletzte Etappe von Grächen nach Grächen war ein Kampf auf Messers Schneide. Bereits auf den ersten Kilometern kam ich ins Hintertreffen und das Tal hoch nach Saas Fee musste ich ein Loch von etwa 15 Sekunden schliessen. Eine  Herkulessaufgabe, denn Geismayr/Käss drückten unglaublich aufs Tempo und ich drehte so im roten, dass ich jederzeit zu explodieren schien. Doch ich wusste auch um die Wichtigkeit dieses Zusammenschlusses so früh im Rennen und dank all meiner Leidensbereitschaft schaffte ich es. Doch Centurion Vaude hatte das Zepter in ihrer Hand. Sie wollten auf dieser Etappe klar machen, wieso sie in gelb fahren.
Nach der zweiten Abfahrt mussten sie in der Techzone aber einen kleinen Defekt reparieren und plötzlich waren wir es, die bis zu 45 Sekunden Vorsprung hatten. Das Rennen kannte also wieder keine Ruhephase, sondern es ging mit Vollgas weiter. Über eine Stunde fuhren wir vor den Leadern bis jene das Loch wieder geschlossen hatten, genau vor dem Schlussaufstieges hoch nach Grächen.
Während wir in der letzten Verpflegungszone neue Trinkflaschen holten und uns verpflegten, fuhren Geismayr/Käss zu. Math schloss die Lücke sofort durch einen Effort. Ich hingegen brauchte wieder eine gefühlte Ewigkeit, bis die Lücke wieder zu war. Ab da aber glaubten wir, dank unserem Verpflegungsstopp, wieder an den Etappensieg. Im letzten Teeranstieg, genau dort, wo meine Safier Cinghiali mich pushten, griff ich an und fuhr vorne weg. Vier Kilometer vor dem Ziel kamen die letzten ganz steilen Rampen. Während ich die relativ gemütlich hochlaufen konnte und oben auf Math wartete, machte er genau dort den Unterschied. Die letzten 3 Kilometer ins Ziel konnte ich ihn dann in den Windschatten nehmen und so erreichten wir als Sieger und mit 25 Sekunden Vorsprung das Ziel.
Vom Gefühl her waren wir an diesem Tag eigentlich das schwächere Team. Taktisch fuhren wir aber genial und am Schluss konnten wir diese zweitletzte Etappe, einer meiner grössten Schlachten seit ich Rennen fahre, gewinnen. Nicht zuletzt dank einem Team das uns unterwegs anfeuerte, dank den anwesenden Cinghiali und dank dem blinden Verständnis zwischen Math und mir während dem Rennen.

Die letzte Etappe musste also wieder die Entscheidung bringen. 38 Sekunden trennten uns vor der Titelverteidigung. Mein Coach Stephan Schütz schrieb mir am Abend, dass jenes Team gewinnen werde, welches länger am verinnerlichten Plan festhalten könne. Es ging also darum, den beiden unseren Rennplan aufzuzwingen. In der Startabfahrt gelang uns das ideal und Sie mussten danach ein Loch von 30 Sekunden schliessen, was ihnen auch gelang.
Im ersten längeren Aufstieg waren es aber Sie, die das Zepter in die Hand nahmen und für ein extrem hohes Tempo sorgten. Immer wieder versuchten wir von vorne zu fahren, aber Sie liessen es nicht zu. Ich explodierte fast und doch durfte ich mir genau das auf keinen Fall anmerken lassen. Als Sie endlich ein bisschen Tempo raus nahmen, gingen wir sofort nach vorne und demonstrierten Stärke. Ab da war ihr Glaube irgendwie gebrochen.
Gemeinsam stachen wir nach einer ereignislosen Abfahrt in den letzten langen Aufstieg ein und bereits im ersten Drittel, versuchte ich wieder weg zu fahren. Noch einmal schloss das Centurion Vaude Team die Lücke. Doch ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass wir es schaffen. Die Jungs reagierten nur noch. Kurz vor dem Kulminationspunkt verschärften wir erneut das Tempo und da tat sich die Lücke auf. 10km vor dem Ziel hatten wir eine Minute Vorsprung und diese bauten wir bis ins Ziel auf fast drei Minuten aus.

Eine unglaubliche Woche gipfelte im erneuten Gesamtsieg. Es war eine Woche, anfänglich mit einem Dreierkampf, ab Mitte Woche dann nur noch mit einem Duell. Der Unterschied zwischen Centurion Vaude und uns war noch geringer als im letzten Jahr. Es war steht’s ein sehr faires Duell auf höchstem Niveau. Verdient gehabt hätten den Gesamtsieg eigentlich Beide Teams. Aber im Sport gibt’s Sieger und es gibt Zweite. Der Sieg ist umso schöner, umso emotionaler, umso wertvoller, je knapper und härter der Kampf davor war. Es braucht also die Geschlagenen, um den Sieg zu verzuckern. Ich danke deshalb an dieser Stelle unseren Konkurrenten auf dem Podium. Ich danke für die Schmerzen die ihr mir zugeführt habt, ich danke für den Kampf neben und mit euch. Ich danke für diese so intensive Woche.
Vielleicht werde ich am Ende meiner Karriere ein bisschen sentimental. Aber ich glaube sogar, dass diese Stunden auf dem Sattel, hinter, neben, vor euch, mir tiefer in Erinnerung bleiben, als die Tatsache, dass wir das Swiss Epic wieder gewonnen haben. Ich danke euch und ich werde euch im nächsten Jahr die Daumen drücken. Dafür, dass es euch dann reicht, dass ihr es seid, die im Ziel den Champagner spritzen lassen könnt!

Beitrag Sportpanorama auf SRF. Ganz am Anfang ein paar Sekunden und dann ab 1:00:20

… und heute ab 18:00 Uhr auf Tele Südostschweiz

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